Anmerkungen zur Europapolitik

Der Bürokratie in Rätseln auf der Spur. Eine persönliche Auseinandersetzung mit dem Europoly, der Finanz- und Wirtschaftspolitik in Europa. Kommentare (iColumn) und Recherchen (EuCh12). Weitere Informationen

Anmerkungen zur Europapolitik ⎮ Europa der verschiedenen Geschwindigkeiten

Vorsicht MBAs! – Künftige Eliten von Gestern

Der Hochschulstandort Deutschland soll nach dem Beschluss der Kulturministerkonferenz (KMK) und auf Basis der von den europäischen Wissenschaftsministern unterzeichneten „Bologno-Erklärung“ zur Harmonisierung europäischer Studienstrukturen bis zum Jahr 2010 reformiert sein. Ausgerechnet fünf Jahre später wird Kritik an der Fähigkeit von Managern mit sogenannten Masterabschlüssen geäußert.„Nachkriegsschauplätze“ wie die Forderung nach Elite-Universitäten prägen die aktuelle politische Diskussion.

Als das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am 6. Dezember 2005 die vorläufigen Ergebnisse zur Hochschulstatistik veröffentlichte, trat ein was Experten und auch Studenten einmal veranlassen sollte, die bis dato erzielten Fortschritte des „Bologna-Prozesses“ genauer unter die Lupe zu nehmen.

Akzeptanz auf niedrigem Niveau

Erstimmatrikulierte sehen nicht berechenbare Perspektiven, die ein Bachelorabschlüsse auf dem Arbeitsmarkt bieten. Letzen Endes entscheiden sie sich für eines der traditionellen Studiengänge, die mit einem Diplom abschließen. So liegt der Anteil der Erstimmatrikulierten in den Massenfächern wie der Betriebswirtschaftslehre mit 10,6 Prozent auf einem sehr deutlich niedrigen Niveau, während andere Bachelor- und Masterstudienanfänger bereits die 40-Prozent-Marke überschritten haben. Von 30.889 neu eingeschriebenen Betriebswirtschaftsstudenten im Jahr 2005 streben gerade einmal 355 Studienanfänger den Masterabschluss an, der in der Regel einen Bachelor-Grad voraussetzt. Das sind nur 1,2 Prozent der Erstimmatrikulierten BWL-Studenten.

Im Gegensatz erfreuen sich Bachelor-Studiengänge an Hochschulen unter Studienanfängern an wachsender Beliebtheit. So fand es das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IWK) heraus. Der Bedarf scheint ebenfalls vorhanden – die Betriebe schätzen vor allem die Praxisorientierung des Bachelor-Studiums.

Qualifikation von MBAs unzureichend

Erst ein halbes Jahr zuvor hatte Henry Mintzberg, einer der international anerkanntesten Managementexperten, in seinem Buch „Managers Not MBAs – A hard look at the soft Practice Managing and Management Development“ 1) gewarnt, dass das MBA-Studium nicht ausreichend auf die Managementpraxis vorbereitet. Mit dieser Aussage kritisiert Mintzberg viele anglo-amerikanische MBA-Studienprogramme 2). Er rät Deutschen Hochschulen daraus zu lernen, die nun jetzt solche Studienprogramme entwerfen müssen.


„Es sind vermeidbare Fehler begangen worden“, so Mintzberg. Er beklagt, dass man Management nicht in der Theorie erlernen kann.
Den Absolventen muss es schließlich an praktischer Erfahrung fehlen, da man sie nur in der Basis erlernen kann. Bisher haben MBA-Studiengänge nur falsche Manager hervorgebracht, denen das Falsche gelehrt wurde. Demzufolge löste dies in der Praxis unrichtige Entscheidungen aus, was somit zu weitreichenderen Konsequenzen führen musste.

Solche Haltungen sind unter namhaften Experten nicht neu.

Nach Daniel Goeudevert, ehemaliger Manager von Ford und VW, muss der Idealtypus eines Managers fähig sein, „Zuzuhören, zu überzeugen und sich zu einigen“. Diese und ähnliche Erkenntnisse veröffentlichte er bereits im Jahr 2002 in seinem Buch „Wie ein Vogel im Aquarium – Aus dem Leben eines Managers“ 3)

Gebühren zeigen erste Wirkung

Die Ankündigung neuer Gebührenregelungen 4) in 2004, dessen Reduzierung die Anzahl von Langzeit- und Zweitstudierenden es war, schlägt sich im Jahr 2005 in einem deutlichen Rückgang von 28 Prozent nieder. Dies entsprach rund 35.000 Lang- und Zweitstudierenden.

Die Länder beabsichtigen nur in dem sinnvollsten Umgang mit Studiengebühren zu konkurrieren, was neben den Darlehensfinanzierung auch einen Verzicht auf diese Einnahmen einschließt. „In den Ländern, die Gebühren ermöglichen oder einführen, wird es nun darauf ankommen, dass die Mittel schnell und spürbar zu positiven Veränderungen im Studium führen“, so ließ es das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) im Jahr 2006, vertreten durch Prof. Dr. Ziegele, verlauten.

Die Diskussion über Gebühren, deren Ziel eine Verbesserung von Hochschuletats sein könnte, dürfte uns noch weiter beschäftigen – denn sie nehmen zukünftig einen wichtigen Bestandteil des hochschulinternen Managements ein.

Es scheint also an den Hochschulen zu liegen, den Anpassungsprozess zu optimieren, also sowohl die Akzeptanz als auch die Qualität von Deutschen Bachelor- und Masterstudiengängen und deren späteren Absolventen zu fördern.


Fußnote:
1) Deutscher Titel: Manager statt MBAs – ein kritische Analyse,
ISBN-13: 978-3593376813,
Campus Verlag; Auflage: 1 (7. März 2005)
2) Abk. MBA: Master of Business Administration

3) Buchtitel: Wie ein Vogel im Aquarium – Aus dem Leben eines Managers,
ISBN-13: 978-3499604409,
Rowohlt Verlag; 7. Auflage (Februar 2004)

4) abgewiesen durch das Urteil 2BvF 1/03 des Bundesverfassungsgericht am 26. Januar 2005,
Belege: Pressemitteilung Nr. 8/2005 vom 26. Januar 2005 und
BVerfG, Urteil des Zweiten Senats vom 26. Januar 2005 
- 2 BvF 1/03 - Rn. (1-94),
Quelle: http://www.bverfg.de/e/fs20050126_2bvf000103.html