The Bashingtone Post

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Anmerkungen zur Europapolitik ⎮ Lippenbekenntnis

Wahlkrampf im Kreuz

Am Sonntag, den 7. Juni wird das Europäische Parlament neu gewählt. Gehen sie hin? Warum tun sich Wahlverdrossene, zu denen ich mich einst zählte, nur so schwer damit?

Ginge es nur darum, einen Stift in der Hand zum richtigen Kreuz und Parolen zur gerechten Sache zu führen, um vielleicht ein wenig mehr Farbe zu bekennen – und mehr noch, den uns heiligen Sonntag in aller Herrgottsfrühe mit einem Kaffee zu begrüssen, dann wäre der Gang zur Wahlurne nur halb so müßig … Schade nur, dass die Wahlpflicht kein Laster ist, sondern als Bürde empfunden wird.

Doch die scheinbare Last trügt, denn sie ist die pure Wahrheit, die einem Betrug an etwas völlig Selbstverständlichem gleicht, nämlich, das das Wahlrecht, das uns auferlegt wurde, ein Privileg für alle ist. Insbesondere für die Bürger, die etwas aktiv mit in Europa und der Welt verändern wollen, anstatt sich als Bürger von der Politik verwaltet zu fühlen – und zwar souverän und alles andere als unbequem.

Und wenn es den Bürgerwählerschichten nicht reicht, können die ihre geheimen Wählerstimmungen in einer öffentlichen Petition kundtun. Das Privileg zur geheimen und freien Wahl gegen irgendein soziales Unrechtsempfinden einzutauschen bleibt allen Wahlverdrossenen vorbehalten.

Allerdings hat dieses Spiel mit dem Zünglein an der Waage meine Zustimmung nicht verdient … Schaden zufügen tut nur, wer der Wahl und aller damit verbundenen Privilegien überdrüssig geworden ist, zum Beispiel, frei und geheim zur Wahlurne gehen, sich der Bürgerlast entledigen oder sich als Kandidat einer Wahl stellen zu dürfen … Schaden tut nur, wer seine Stimme einäschert, indem man die Wahlurne zu Grabe trägt und damit auch das Privileg erlischt, zum Beispiel, seine Bürgerpflicht, sein Wahlrecht auszuüben. Schade nur, das Wahlrecht keine Pflichtkür ist und immer noch als Joch empfunden wird.