Furcht und Elend in Europa

Der schrecklichen Tradition Dritter Teil und Postings gegen das Vergessen. Anmerkungen zum Nationalsozialismus. Persönliche Analyse und fungierende Szenarien. Weitere Informationen

Postings gegen das Vergessen ⎮ Flugblatt Beige Rose

An alle Haushalte und Unternehmen in Deutschland!

Sie wollen in unsere Köpfe eindringen, nur wie bekommen wir sie da wieder raus. Sie sind in unseren Herzen, nur wie gelangten sie hinein. Sie hatten willige Helfer und viele Helfershelfer haben sie noch.


Was ist passiert: Unbewusst wurden unterschwellige Gedanken mit atheistischen Sehnsüchten beweihräuchert und mit einer abendländischen Subkultur genährt, die zu einer intelligenten Gemeinsamkeit geführt haben, die nun zu einer Bürgerbewegung miss(ge)raten ist. Zu etwas abstumpfen konnte, das wir auch mit Primaten gemeinsam haben – die instinktive Furcht vor einer fremden Bedrohung. So primitiv wie Primaten sind auch die Privilegien beziehungswaise 1) die Parolen, die die unscheinbaren Bürger mit dem ganzen Volk scheinbar gemeinsam haben wollen.





Die Aufklärung, so offenbar, ist uns nicht gelungen, stattdessen verschlingen wir Verallgemeinerung. Das ist offensichtlich.
Es liegt an uns, wie wir Aufklärung definieren und Verallgemeinerung mithilfe von Intelligenz interpretieren.
Es liegt an uns, noch sind wir das einseitige Sprachrohr von Verallgemeinerung, das keine Gegenargumentation zulässt, weil das Sprachrohr zur miss(ge)ratenen Bürgerbewegung verstopft ist und deshalb für die Aufklärung verschlossen bleiben soll.
Es liegt an uns, mit welchen Tendenzen und auf welchen Frequenzen wir uns einer gemeinen Sprache bedienen und einer gemeinsamen Sache widmen wollen.

Letzen Endes ist unser Gewissen verantwortlich, ohne das wir uns bewusst sind, dass wir Verallgemeinerung publizieren, reproduzieren – ja Schlimmeres, Verallgemeinerung ausleben und Vorurteile auskosten.





Wer Worte drucken kann, vermag sich noch nicht ausdrücken zu können. Wer seine Meinung frei äußern will, muss wissen, dass er noch lange nicht alle Worte frei ausdrücken darf.
Freie Meinungsäußerung heißt schlicht, dass sich Worte ohne Zensur verbreiten dürfen. Allerdings darf man Äußerung im Nachhinein revidieren, redigieren, kritisieren, kategorisieren und thematisieren.
Freie Meinungsäußerung heißt nicht, Randphänomene zu pluralisieren, zu bagatellisieren oder zu kriminalisieren.





Jeder darf Meinungen trotzen oder mit Worten schluchzen. Jeder darf in Zeitungen einfach nur blättern oder bloß zerfleddern oder sie mitsamt der Meinungen zerschreddern.
Jeder darf sich in Widersprüche verstricken, man sollte sie nur nicht veräußern – auch nicht umsonst.





Freie Meinungsäußerung heißt nicht, dass man Meinungen unkommentiert stehen lassen darf – auch nicht im Internet. Freie Meinungsäußerung verheißt nicht, dass Zeitungen allwissend sind.
Freie Meinungsäußerung heißt nicht, dass Menschen ohne Gewissen über die Richtigkeit berichten oder ihre wahren Motive zu erkennen geben – auch nicht in der Politik und schon gar nicht, ob sie vom öffentlichen Interesse sind.

Noch (g)reift der grob fahrlässige Umgang mit Unkenntnis um sich. Es ist die unterschwellige Furcht vor dem Unbekannten. Sie ist hartnäckig, wie ein Herpes-Virus, der darauf lauert, über unsere Lippen zu kommen.

Von Ohnmacht umgeben, haben sich auch manche Autoren wie Thilo Sarrazin und Eva Herman von ihren Instinkten betrügen lassen und sich diesem ungewollten Phänomen mit Worten verschrieben. Und haben die unbewusste Auseinandersetzung geführt und liessen ihre Absichten auf das Niveau von „Mein Kampf“ reduzieren.

Ohne dass es ihnen bewusst war, wurden sie regelgerecht von der Propaganda vorgeführt. Sie hat von dem Phänomen profitiert und sich profiliert. Sie wollten der Wahrheit zum Sieg verhelfen. Den Sieg haben sie an die Rechtspopulisten verloren. Und sich vom öffentlichen Interesse distanziert, so wurde es verfügt; wie eine legitime Amnestie, um kundzutun, dass die Gerechtigkeit nur in einer Meinungsform über sie zu urteilen hat.

Man sollte klar sagen müssen, dass man sich vom Rechtspopulismus distanziert. Stattdessen hat sich die Propaganda mit den Tagwerken 2) identifiziert und für jede Unmenge an unnötigen Gesprächen gesorgt.

Der Pöbel ist an solchen Tagen (zu)recht befriedet. Doch der Mob war befriedigt und versorgt, da er um keine weitere Propagandalektüre buhlen musste, denn die bekamen sie zum Nulltarif – Höchstumstritten und in Höchstauflage, so wie die Propaganda nun mal beschaffen ist, so als hätte es die Propaganda gewollt, so als hätte sie das Tagwerk 2) vorbestellt. Der Pöbel applaudierte und wusste nicht einmal, das er auch für den Mob applaudierte.

Die kritischen Worte werden den Historikern überlassen, die sodann, hoffen wir mal, verständlichere Worte von sich geben und in den Geschichtsbüchern nicht zu lesen ist „Wir haben von alldem nichts gewusst“. Und sich die Zivilgesellschaft hinter einer kollektiven Amnesie verkriecht.
Aber wir wollen kein weiteres griechisches Feuer vergießen, das wir, seit 70 Jahren und mehr bekämpfen. Der ausweglose Konfrontation mit unserem schlechten Gewissen gehen wir aus dem Weg. Bloß wann, wann lohnt es sich dafür zu kämpfen? Bloß wann, wann laufen wir nicht mehr vor unserem schlechten Gewissen davon?

Freie Meinungsäußerung heißt nicht, Autoren und Rechten die Ehre erweisen oder eine Audienz gewähren müssen. Es reicht, wenn wir deren Tagwerke 2) lesen und kommentieren.
Freie Meinungsäußerung heißt nicht, einfach nur Lesen zu erlernen, sondern geschriebene Worte verstehen zu können; bevor man in eigenen Worten Parolen legitimiert und sich im Nachhinein gemütlich von Meinungsäußerungen und sich von verbalen Entgleisungen distanziert. Man kann Objektivität auch dadurch beweisen, indem man Meinungen und Tagwerke 2) nicht kommentiert und sich dadurch vom Mob distanziert.





Freie Meinungsäußerung heißt nicht, auch entgegen gerichtete Meinungen mit Gegnern diskutieren zu müssen. Es reicht, die subjektive Auseinandersetzung mit seinem Gewissen zu verabreden – das zu einem passiven Widerstand aus der liberalen Mitte der Gesellschaft heranreifen könnte.
Ein Widerstand, der sich darum kümmert, dass sich rechtspopulistische und linksautonome Meinungen nicht in Politikfeldern, Rechtsnormen und Gerichtsprozessen materialisieren.

Der untätige Widerstand darf den Meinungen des Pöbels nicht noch mehr Einlass in die Grundrechte – Pressefreiheit und Versammlungsfreiheit – gewähren.

Wir wären ganz schön einfallslos und einfältig, wenn wir diese Grundrechte einfach nur als Instrumente betrachten. Als Instrumente missbrauchen, mit denen der Pöbel den Mob weiterhin (be)dient, noch mehr wortschillernde „Progrome“ entfacht und klitzekleine „Reichstagsbrände“ stiftet, die den Mob geradewegs in die weltpolitische Öffentlichkeit navigiert und in die Regierungselite katapultiert. Das kann nicht im Sinne unserer Verfassung sein. Das darf keine europäische Auffassung bleiben. Das ist unvereinbar mit unserem Gewissen. Gute Gewissen, in Deutschland und Europa, bitte meldet euch!

„Good Knit, and Good Link.“ 3)


Fußnote:

1) Seit 18. Januar 2016 im User Wordschatz der Satyre: beziehungswaise / Adverbiale Konjunktion. Nicht zu verwechseln mit der abgekürzten Konjunktion bzw.; hier sich auf Dinge beziehen, die miteinander wenig zu tun haben. Ausdruck für die Abwertung eines Zusammenhanges.

2) Seit 11. Januar 2016 im User Wordschatz der Satyre: Tagwerke / SYNO für nationalsozialistische oder neuzeitliche Propaganda; manchmal Texte und Veröffentlichungen, die mit heißer Nadel gestrickt wurden.

3) Aus dem Wellish: „Good Knit, and Good Link!“ as a homage to Edward R. Murrows „Good Night, and Good Luck.“ during the McCarthy drama in the U.S.A..