Furcht und Elend in Europa

Der schrecklichen Tradition Erster Teil und Postings gegen das Vergessen. Lyrik und Kontext aus 365 Tagen mehr oder weniger Jahren. Weitere Informationen

Postings gegen das Vergessen ⎮ Die Apartheidsbewegung in Deutschland ⎮ Seite 1

Wahlhalla

Am fünfundsechzigten Tag des Jahres 2016 fand die letzte Kommunalwahl in Hessen statt. Viele wa(r)teten mit Spannung auf den 5-Prozent-Hürdenlauf, der wohl das am bekanntesten und heiß umstrittenste Ergebnis rundum politische und nationale Minderheiten in Deutschland darstellen dürfte. Eine Lücke in der Demokratie, die als kleingedruckte Sperrklausel in Wahlgesetzen verbrieft ist.

Auf zu Wahlhalla im Radetzkymarsch.

Den Aufstieg und Niedergang hatten wir schon mal.

Um die Trauer um den Untergang des vereinten Europas zu begrüßen.

Um dem Leichentuch des alten Europas neues Überleben einzuhauchen.

Furcht und Elend ist der Pfad zur dunklen Seite.

Wer diese Macht begreift, der muss nicht von der Macht selbst ergriffen sein.

Hochstapler gibt es ja schon genug.

Wer die Entnazifizierung nicht konsequent extrapoliert,

legitimiert rechte Splittergruppen und exportiert sie.

Unlängst in Deutschland. Die Fünf-Prozent-Hürde war gehackt.

Kommunalwahlen wieder in rechten Verhältnissen.

Sturmtruppen vorwärts – wirklich alles Humbug?

Deutschland verdient sich eine IP-Adresse in der Demokratiedämmerung.





Ruckedigu, hausgemachte Archillesverse soll triefen von Blut.

Soll von Eiter überströmt sein. Nicht satt sein, nach Eitelkeit.

Weder hungern nach Heiterkeit, sondern Tugend Tunichtgut.

Noch dürsten nach Konsens, statt Konsequenzen.

Hessen Zentrale, nun zum Schauplatz umgebaut.

Wahlhalla ist nun eingetreten, wie uns durch die Beige Rose ausgedrückt, vorauszusehen war.

Nun über den Dritten Weg angekommen,

formiert sich eine rechte Enklave – mitten in Europa.

Schon wieder, widerlich.

Es heißt, es seien achtundachzig Thesen an die freien Mauern anschlagen.

Parlamentarismus ist zu Unrecht auferlegt, nur mit Demokratie besudelt worden ist.

Urheber des Grundgesetzes waren nur grundsätzlich einer Meinung, oder was?

Der Mob ritzt den Pöbel mit stumpfen Gyutinen,

umso die politische Emanzipation umzukehren.

Apartheidsbewegung manifestiert sich neuerdings in und als Friedensmissionen.

Sei sie als Rechtspopulimus verunglimpft.

Gerade so, wird sie von 20 Prozent und mehr in der Bevölkerung toleriert.

Sie und er uns als das neue Joch auferlegt.
Sie da und dort aufersteht und aufbegehrt.

Gerade so, wächst und gedeiht, wo ihnen weder Unkraut widersteht noch Graswurzel widerstrebt. Ruckedigu, gutes Gelingen! Bleibt sie doch auch eine Tugend Tunichtgut.





Man schrieb den 276. Tag im Jahr der Wiedervereinigung; verdammt lang her.

Der Verfassungsschutz erinnert sich doch bestimmt nicht mehr.

Lauschangriff im freien „Darknet“ offenbart noch Meilensteine.

Post von Patrioten mit Kürzel AFD.
Rechtspopulisten wirklich nicht gut im Scrabbeln.

Vermutlich nur besser im Versteckspiel Achtundachzig.

Seit 25 Jahren und mehr Tage bricht es aus ihnen heraus – Bruder gegen Bruder.

Parolengebrüll und Blutlachen.

Volksruf Nimmersatt, einfach huckepack.

Bürgerrechte erpressen alternative Naiven.

Volksruf Nimmersatt, einfach huckepack.





Den Aberglauben an die Heerscharen, versprühen sie im Nu, quasi im Spaziergang.

Das kommt davon, wenn man aus Entnazifizierung nix als nur Asche macht.
Die Würfel sind gefallen.





Zynisches Bauchgefühl ist Überrest eines gereizten Blinddarms.

Nun manikürte Parteiendoktrin auf der Serviẹtte.

Doppelte Tinte darf nie trocken, auf dieser Et(h)ikette,

die so groß ist, wie das alte Leichentuch europäischer Geschichte.





Der Vorläufer war auch nur ein unscheinbarer Bierdeckel.

Nicht ausgeschlossen, auch das nicht ist: feilschen kann man immer noch.

Denn Parallelen in der Geschichte wischt man einfach weg. Tabula rasa!

Mit Wahlhalla kehrt nun ein, Abendlandeuphemismus nach „White-Power“– Alchemie.

Geschichtsreform mit dem Radiergummi birgt neue Impulse für Pisa.

Bewusstsein (…) stören bei den Lehrern.

Rechte Gelehrte behüteteten nicht, sie wüteteten.

Seht, wie sie Setzlinge pflanzen, bald schonungslos im Kindergarten.

Schüler schwatzen über nationalen Tellerrand.

Dunkles Kapitel ideologisch weggesprengt, soll im Snob verschwinden.

Schüler haben Mitgefühl, geschätzt überfordert,

es ihnen bald aberzogen werden.

Fanatischer Kreationismus auch eine Form von Terror ist.

Aber Bürger-Rechte huldigen diese Mittel – gaukeln Humbug.

Und kaum viel später, in einem Bildungsputsch.

In Natur-, Sozialkunde und der Biologie 300 Jahre Darwinismus ignorieren.

Wissenschaft zensieren und Lügenpresse verbannen.

In den Akademien wird nur noch herumgedoktert,

einen Titel braucht man nicht mehr.





Reichstagsbranding ist ein so viel besseres Marketing.

Um den verlorenen Wählern einzubläuen: Gott sei ein weißer Mann.

Tergeo! Enervate! Kreativer Nationalsozialismus im Kunstunterricht.

Dort spinnt man Seemannsgarn und Leidfäden.

Nationalsozialismus aus den Büchern radieren, die sie sonst verbrennen würden.

Das Progrom ist eine ganz tolles Nomen.

Landratten lesen Uhren von rechts nach Backbord.





Beim Zusammenfügen gebrochener Teile

bleibt der Pressekodex eine Variable und nicht Konstante.

Das Wort Algebra bleibt jedoch arabisch.

Kreationismus bildet, wirkt wie eine Staatsreligion.

Gewaltenteilung ist nun intollerant.

Für Demokratie hat man nur noch nostalgische Sympathie übrig.

Denn die Demokratie wird nun beherrscht vom Abendland.

Hessen hat viel mit „Hess“ und „hassen“ gemein, nicht wahr?

Noch dürfen Bürger über solche Meinungssülze der Lügenpresse allein entscheiden.

Wer die Schulbank drückt, lernt einfach, sich Rechte mit Unrechten einzuverleiben.

Doppeltes hält aber nicht immer was es verspricht.

Und deshalb haben die hiesigen Kommunalwahlen auch eine Signalwirkung.





Führen sie Massen, wie Motten vom Licht in Bann gezogen.

Die Entschlackungskur wird nie mehr vollzogen.

Am 67. Tag wahre Lüge, Frühlingsgefühle, es geht voran.

Ein flüchtiges Erdbeben spürt man, dagegen ist bereits das Soll erreicht.

Nachbeben des Nationalsozialismus waren nie verschwunden.

Unlängst prophezeiten wir neue Reichstage.

Wo Schüler ihr Abendgebet aus „Mein Kampf“ rezitieren.

Nicht mehr Amen sagen, sondern Achtundachzig.

Adebar gebärt keine Kinder; plötzlich ein weiblicher Storch im Nibelungenlied.

Hessisches Wahlhalla ein Phänomen mit phänomenaler Gänsehaut.

Arme Deutsche gegen schleichende Meute, dessen Beute sie nun sind.





Achtung, Deutschland!

Bitten sie, die „Ode an die freie Presse“ individuell zu prüfen.

Nur das nicht: Jeden schönen Deutschlandtakt wie „Wir sind das Volk“ rezitieren.