Furcht und Elend in Europa

Der schrecklichen Tradition Erster Teil und Postings gegen das Vergessen. Lyrik und Kontext aus 365 Tagen mehr oder weniger Jahren. Weitere Informationen

Postings gegen das Vergessen ⎮ Der Pfusch an der Mauer ⎮ Seite 1

Stunden der Patrioten

Post-Moderne Staatsstreiche ruhen weder sanft noch leise.
 Zuletzt aufgeweckt vor rund 19 Jahren und 142 Tagen.
 Müssen schon wieder um Laizismus feilschen. Den Mauerfall zwischen Religion und Staat zelebrieren?

Nur diesmal, gibt es für die türkische Synthese weder Anode noch Kathode.

Politische Interventionen durch Militärs nicht in die Neuzeit gehören.
Gescheiter-ter Ausnahmezustand verdient sich deshalb auch kein Prädikat.

Nur ein Postulat, das des politischen Kalifats.

Das Reichtstagsbranding funktioniert auch am Bosporus.

Der Dunst der Stunde der Patrioten wirkt aufgedunsen.

Leiser Startschuss für politische Internierung.

Türken verstehen sich im Saubermachen.

Im Nu an, nun wirklich kein Vorurteil sein kann.

Politisches Kalifat nun vollendet werden kann.

Die Geschichte lehrte sie nicht, weil Tabus sie faszinieren.

Schön das Leid, sie entzückt.

Und Gerüch’eküche Fassungslosigkeit zum Überkochen zwingt.

Der Selbst-Erhabene von Gottes Zeichen, gesegnet,

soziale Netzwerke zu funda-menta-li-sie-ren versteht.

Eine tolerable Leitfigur.

Denkmäler vom Atatürk bekommen Spiegelbilder.

Volk streichelt dem Wolf nicht das Zwerchfell.

Doch nur bemitleidenswerte Neidkultur.

Tag des Gedenkens an den Pfusch zur Huldigung des Selbst-Erhabenen von Gottes Zeichen gequirlt.

So steht es nun geschrieben im zerrissenen Kalenderblatt.

Noch verborgen in nasser, unsichtbarer Tinte.

Was Geschichtsschreiber darüber berichten, nur nicht in der Türkei zu lesen sein wird.

Die, die es überliefern wollen, im Exil willkommen sind.

Im Nirgendwo, dort, ist es grausamer als Daheim.

Man menschenwürde sich nicht an Putschisten rächen,

alles ausufere im Rahmen des Gesetzes.

Menschenwürde die Todesstrafe verabschiedet,

auch alles im Rahmen der Rechtsstaates ausufern könne.

Die Verurteilung zum Tode dann in Rache ummünzen kann.

Selbst-Erhabener von Gottes Zeichen, gesegnet!

Der Pfusch ein so manikürtes Geschenk.

In der zivilisierten Welt man aber noch türkischen Honig umtauschen kann.

Selbst-Erhabener von Gottes Zeichen, gesegnet,
reicht der westlichen Welt seine rechte Hand zum Faschistengruß.

Selbst-Erhabener von Gottes Zeichen, gesegnet!

Badet im Wohlgenuss, Macht, Schluss mit seiner Unzufriedenheit.
Verdrossene Demokratie ertrinkt in verflossener Menschenwürde.

Der anderen Welt dem Bruderkusse zugeneigt.

Nun schwimmen sie daher. Kritiker schwinden dahin.

Verblendung so in türkischen Marmor gemeißelt wird für alle Zeit.

Türkischer Mamor wieder neu verblenden muss, Verblendung restaurieren. Ein Muss.

Doch Türkischer Marmor wächst nicht, aufbäumen.

Oh je! Ewiger Zyklus, der jedoch durchbrochen war.

Jedoch Antizyklus neuen Schwung einverlaibt mehr denn je.

Klassenfeinde sterben so nie aus, wenn man Personenkult vertraut.

Kalte Krisen wiederbelebt, wenn man Patentrezepte aus dem Ärmel kotzt.

Zukunft nur gestalten kann, wenn man nicht die Vergangenheit ignoriert.

Zukunft nicht gestalten kann, wenn man nur ein einziges oder ziviles Opfer toleriert.

Und künftige Träume malt, indem man Mitschuld vertuscht.