Furcht und Elend in Europa

Der schrecklichen Tradition Erster Teil und Postings gegen das Vergessen. Lyrik und Kontext aus 365 Tagen mehr oder weniger Jahren. Weitere Informationen

Postings gegen das Vergessen ⎮ Die getürkte Demokratie ⎮ Seite 1

Von der Demokratie extrakarg in Extralarge

Der siebente August des sechzehnten Jahres nach Y2K hat Geschichte geschrieben und sich so für die Zukunft hinterlassen. Die Exumierung der Todesstrafe im Himmelreich auf Erden Erdogans rückt näher. Kann er doch auf das Veto der Opposition vertrauen. Bei einer Propagandaschau vor nur hundertausenden „Teilnehmern“ spricht er von Vorurteilen gegen seine Autokratie.

Türkische Demokratie ausgedünnt nach Gutdünken.
Eine himmlische Sache ward herabgefallen.
Ein Mann allein hatte sie sich auf die Stirn geschrieben.
Die apokalyptische Strafe dem Volk ans Bein gebunden,
seinen Bruder in die Knie gezwungen hat.
Aber er hat recht, man spricht relativ viel über die Futscher
und weniger über die gefallenen Bürger.
Der Westen spricht nicht gerne über Märtyrer.

Ihn, dem Mann nicht dasselbe Schicksal ereilt,
wenn er die Todesstrafe per Dekret noch als Majestäts-Beleidigung deklarieren kann.
Er getrost die Guillotinen schärfen kann.
Nur eine Abschreckung, ein Déjà-vu. Kein Grund zur Sorge.

Wer die getürkte Demokratie nicht gewähren lässt,
der könne auch nicht Freund von ihm, dem Mann sein.
Der Mann hat in der Tat recht, mit ihm wollen nur wenige befreundet sein.
Seine demokratische Weltanschauung; nun denn,
Willkür wollen wir es mal nicht küren – eher eine Demontage.
Seinem Marschallsstab fehlt es lediglich an Größe.

Andere halten es für eine türkische Inquisition.
Und Jubel-Osmanen den türkischen Honig versalzen.
Den starken Staat Extralarge als Paradies zu zeichnen, in dem türkischer Honig fließt.
Ein wenig Meersalz nur den faden Beigeschmack versüsst.
Zu öffentlichen Schauprozessen reicht man nun Raki und çay.
Der heiße Draht füllt sich mit milchiger Trübsahl.
Vor und hinter den Kulissen sitzt man auf Schleudersitzen.
Oder sind es Folterbanken? Der heiße Draht makelt hin und her.

Politische Gefangene in Flüchtlingslagern interniert.
Es sind doch nur ein paar Zehntausende.
Zurschaugestellt ein liberales Guantanamo,
Vorbilder gibt es ja noch viele.
Bloß nicht dieses Szenario.
In eisernen Vorhängen aus Nato-Draht geschmiedet,
herausgepresst aus EU-Geldern.

Politische Geißelnahme kennt man sonst nur von Putschisten und Terroristen.
Eine getürkte Demokratie, die buchstäblich sprachlos macht.
Das Zünglein an der Waage nun keine Lippenbekenntnisse mehr äußern kann.
Eine dunkle Macht, die einem die Stimme verschlägt,
da die politische Scharia der Opposition die Zungen abzuschlagen gedenkt.
Aber selbst Menschen mit Knebeln haben noch Widerworte.
Und die Hydra zeigt sich ungeniert, alle ihre Oberhäupter gen Volke streckt.
Eine dunkle Macht, die keine Archillesversen hat oder gar braucht,
wenn man die Trojaner zu ficken weiß. Das gilt für jeden Spielverderber.

In der Übersetzung heißt es bald, Devisen seien nur die Mehrzahl von Devise.
In der Übersetzung heißt es bald, Guillotine seien nur geschärfte Routinen.
Braucht die EU eine solche Brise?
Nicht anzuzweifeln hat, sondern hinterfragen muss.
Die Diplomatie im Gleichschritt den Müßiggang zelebriert.

Die Tücken der Demokratie selbst fürchten, wir und sie, erlernen müssen,
damit sich die Diplomatie nicht von selbst ins Messer stürzt.
Veto-Staaten hätten viel mehr Macht,
aber solche Macht gönne man Staaten über die man eine Resolution verhängt eh’ nicht.
Das schon jetzt kein Unterschied mehr auszumachen ist, kümmert nur wenige.
Deshalb haben es Bürger-Rechte und Hyper-Linke auch so leicht, europaweit.

Der Mann eine weitere Resolution auf die Schultern seines Volkes lädt.
Kommt aus der Tiefe, um sie zu verschlingen.
Das Bewußtsein, das kein Gewissen hat.
Nur er selbst heraufbeschwören und bändigen könne.
Denn wer anderen in der Demokratie eine Opposition abgräbt,
der stolziert selbst in seine ungewisse Zukunft.